Tag 85 – 88 26.09.2016 – 28.09.2016 – Fernweh

Gerade sitze ich im Zug. In Richtung meiner Freundin. Also wieder unterwegs und in Bewegung. Die letzten Tage waren für mich zwar wichtig, weil ich viele Sachen erledigt habe, aber nicht wirklich spannend, um hier zu berichten.

Wie ich hier so im Zug sitze und über zwei Stunden lang fahre habe ich echt genug Zeit, um mir alles nochmal durch den Kopf gehen zu lassen. Dabei wird mir etwas bewusst, was ich schon länger unterbewusst schon weiß: Ich will wieder weiter reisen. Meine Pause reicht mir jetzt. Schon beim Mittagessen gestern mit meinem Papa haben wir über viele Sachen geredet, die ich machen kann, sobald ich wieder in Griechenland bin und ich habe wirklich Lust das alles zu realisieren. Mein Alltag seit ich unterwegs bin hat sich geändert und ich habe mich an das Leben auf Reisen so sehr gewöhnt, dass sich Zuhause sein für mich wie Urlaub anfühlt und nicht wie mein Alltag. Ich bin echt froh, dass ich mich dazu entschieden habe mal wieder meine Heimat zu sehen, aber mein Fernweh meldet sich jetzt wieder zu Wort und ich bin auch froh, dass ich diesem Fernweh am Montag nachgeben kann und meine Reise fortsetzen kann. Als ersten Programmpunkt habe ich erstmal den Kanal von Korinth, was bestimmt auch interessant ist, vor allem weil dort irgendwo eine Holzbrücke ist, die runterfährt ins Wasser, wo dann Schiffe drüber fahren können. Das hört sich mega interessant an. Ich habe jetzt auch einen Reiseführer für die Peloponnes, worin ich nachher mal ein bissle drin stöbern werde, um meinem Fernweh noch mehr Futter zu geben.

Noch eine Sache wurde mir durch meinen Heimaturlaub klar: Hier Zuhause verpasse ich wenig. Viel weniger, als ich auf meiner Reise erlebe. Außerdem ist es schön alles wieder hinter mir lassen zu können und noch nicht ans Bewerben fürs Studium denken zu müssen und wieder einfach nur an die Reise und das Morgen zu denken. Denn wenn man so wie ich unterwegs ist und reist, dann lebt man viel mehr im hier und Jetzt und weiß das Heute viel mehr zu schätzen. Wie oft habe ich selbst mir Zuhause schon gedacht: „Das mache ich morgen.“ Aber unterwegs ist das oft nicht möglich und so wird mir zwangsläufig beigebracht Dinge anzupacken. Jetzt und nicht morgen oder das berühmte „Nachher“. Nur so kommt man nämlich an sein Ziel. Ich bin echt gespannt, was mich meine Reise noch lehren wird, abgesehen von Land und Leuten.

„Wenn man mich fragt, warum ich reise antworte ich: Ich weiß wohl, wovor ich fliehe, aber nicht, wonach ich suche.“

Michel de Montaigne

Tag 82 – 84: 23.– 25.09.2016 Endlich wieder gesegelt

Das Auto meiner Mama ist wieder repariert. Was war? Nur ein Softwareproblem. Irgendwas hat sich aufgehängt und die in der Werkstatt haben das resettet und alles läuft wieder einwandfrei. Puhh kein Fahrfehler von mir. Ich atme erstmal auf. Danach geht es für mich weiter zum Segelclub.
Dieses Wochenende ist Regatta von unserem Segelclub. Das ist dann auch wieder das erste Mal, dass ich wieder segle seit Juni (!!). So viele Leute sprechen mich an mit „Ahh du auch wieder da, wie schön!“ oder „Reise schon vorbei?“, worauf meine Antwort immer „Nein, nur ne Pause“ lautete. Auf jeden Fall sind alle, mit denen ich rede echt nett und ich habe sehr bald das Gefühl niemals weggegangen zu sein. Der Segelclub ist für mich ein Teil meiner Heimat, weil ich hier viel Zeit schon verbracht habe und alle Leute da echt lieb habe. Dann geht’s raus aufs Wasser!2016-09-25-regatta2 Mit meiner Segelpartnerin Liv, mit der ich auch schon vorher und letztes Jahr gesegelt bin. Wir machen gewohnt viel Unsinn und lachen, blödeln rum und zanken wie ein altes Ehepaar, wenn irgendwas nicht glatt läuft. Nicht zu vergessen unser euphorisches singen zu den verschiedensten Liedern, die in unseren Köpfen herumgeistern. Dazu noch die Sonne, das Wasser und das Boot, was geräuschlos durch das Wasser gleitet. Ach habe ich das alles vermisst! Es ist zwar kaum bis zu wenig Wind, aber Spaß haben wir trotzdem! Bei der Regatta werden wir dann 5. von 10, was nicht schlecht ist, aber noch besser geht. Nächstes Jahr dann!2016-09-25-regatta
Es ist schon Ende September, was bedeutet, dass sich die Segelsaison so langsam dem Ende zuneigt und die Boote jetzt peu à peu aus dem Wasser gekrant werden bis zum Winter hin kein Boot mehr im Hafen liegt. Das ist immer ein trauriger Moment für mich als Segler, aber da bin ich ja dann wieder in Griechenland.
Am Sonntagnachmittag kommt auch noch meine Tante mit meinen drei Cousinen (leider ohne meinen Onkel und Cousin, weil der krank Zuhause bleiben musste) und wir grillen zusammen noch mit meiner Oma und haben eine echt große Tafel mit allerlei Leckereien.2016-09-25-essen
Jetzt sitze ich wieder bei meiner Freundin im Bett mit dem Laptop auf dem Schoß und fange so langsam erst an zu realisieren, dass ich in Deutschland bin. Dass alles wieder „normal“ ist. Aber ich fühle mich immer noch nicht so… Es fühlt sich an wie ein Urlaub. Heimaturlaub eben… Immerhin weiß ich jetzt so Sachen wie den Laptop überall aufladen zu können ohne drauf achten zu müssen und eine gepflegte Dusche mit heißem Wasser viel mehr zu schätzen. Das ist schon ein Luxus, den wir tagtäglich als „normal“ hinnehmen. Solche einfachen Sachen wie zum Beispiel auch „unendlich“ Wasser aus dem Wasserhahn und „unendlich“ Strom aus der Steckdose sind Sachen, die man erst schätzen lernt, wenn sie weg sind und man sich im Wohnmobil zum Beispiel immer drum kümmern muss, dass Wassertank und Batterie nicht leer werden.
Ich finde es wirklich gut, dass ich mich dazu entschlossen habe eine Auszeit in Deutschland zu machen und mich einfach ins Flugzeug gesetzt habe. Trotzdem ist hier alles erschreckend gleich geblieben… Gefühlt habe ich extrem viel erlebt in den vergangenen zweieinhalb Monaten unterwegs und habe mich schon ein Stück verändert was Sichtweisen auf bestimmte Dinge angeht zum Beispiel. Und trotzdem komme ich zurück und alles ist „wie vorher“. Aber nicht ganz. Ich bin nicht „wie vorher“. Ich habe mich ein Stückle weit verändert. Oder bin ich einfach nur mehr „ich“ geworden? Ich weiß es nicht.

Tag 79-81: 20.-22.09.2016 Der Grund wieso keine Beiträge kamen

Frische, kühle Luft, leichter Wind, überall grün, Leute, die auf Deutsch im Hafen reden, Gänse, die man im Hintergrund schreien hört. Moment mal… Auf Deutsch? Kühle Luft? Das klingt nicht mehr nach Griechenland. Das liegt daran, dass es nicht mehr Griechenland ist… Ich sitze hier im Moment im Segelclub. In „meinem“ Segelclub. Es ist so schön hier. Ruhig, grün und alle Leute gehen miteinander um, als wären sie eine große Familie… 2016-09-22-segelclubAber wieso bin ich überhaupt hier?

Kurz vorneweg: Reisen ist genial! Und ich werde auf jeden Fall meine Reise noch fortsetzen, weil ich noch viel erleben und erfahren möchte und Griechenland dafür noch viel zu bieten hat. Außerdem habe ich noch Zeit, bis ich mein Praktikum fürs Studium im Januar anfange.

Aber jetzt mal von Anfang an:

Wieso will ich überhaupt eine Pause machen von meiner Reise? Es macht mir echt mega viel Spaß durch die ganzen Länder zu fahren und alles Mögliche zu entdecken. Auch alleine. Und ich glaube, dass ich auch schon echt viel dazu gelernt habe in den 78 Tagen, die ich schon unterwegs bin. Es ist nur so, dass es auch echt anstrengend ist alleine zu reisen, weil ich echt an alles denken muss und von spülen bis Auto fahren und Videos schneiden alles selbst machen muss. Versteht mich nicht falsch, das macht mir echt viel Spaß und es sind tolle Erlebnisse. Es ist nur auch anstrengend. Und ich habe meine Heimat vermisst. Nicht mein Zuhause, denn das ist mein Nävle geworden mittlerweile sondern meine Heimat. Ich war es leid, dass mich jeder zweite blöd angeguckt hat, ich nicht wusste wo ich auch nur ne Tankstelle finde, nicht wusste wohin ich fahre, mich nicht auszukennen, mit allen auf Englisch zu reden und so viel zu organisieren. Ich wollte einfach mal wieder etwas Ruhe, meine Heimat, meine Familie, meine Freundin, meine Freunde, unser Haus und den Segelclub, um nochmal segeln zu gehen, bevor die Saison endet. Ich hatte einfach Sehnsucht nach meinem „normalen Leben“ wenn ihr versteht, was ich meine…

Deshalb habe ich mich am 20.09. um acht Uhr in Athen in den Flieger gesetzt und bin nach Hause geflogen. 2016-09-20-flugzeugSeitdem war ich schon bei meiner Oma, meiner anderen Oma, meiner Tante und meinem Onkel, im Segelclub, Zuhause, habe viele wichtige Sachen erledigt und entspannt. Es tut echt gut wieder etwas Heimat zu tanken. Meine Freundin und meine Großeltern habe ich von meinem spontanen Flug nichts gesagt und sie dann überrascht. Sie haben sich mega gefreut und alle Überraschungen haben geklappt, was ich echt gut finde und nicht gedacht hätte. Als ich vorhin von Meike zu Oma und Opa fahren wollte ist dann noch das Auto meiner Mutter, mit dem ich unterwegs war, kaputt gegangen (Motor- und ESP-Kontrollleuchte an und ich konnte nur noch 50Km/h fahren) und ich musste es in die Werkstatt fahren… Schon wieder was zu tun… Irgendwas ist ja immer. Ich weiß nur noch nicht was die Ursache war und ob ich etwas falsch gemacht habe. Das hoffe und glaube ich zwar nicht, aber wer weiß.

Außerdem denke ich, dass ich nach meinem Heimaturlaub wieder motivierter und ausgeruhter meine Reise fortsetzen kann. Ich werde auf jeden Fall nach meinem Rückflug zum Kanal von Korinth und dann weiter auf die Peloponnes fahren. Da freue ich mich auch schon wieder drauf. Aber zuerst werde ich meine Zeit bis zum 03.10. in Deutschland genießen. Mein Nävle wartet in Griechenland auf mich. Ich weiß auch noch nicht wie viel ich von meinem Deutschlandaufenthalt bloggen werde… Auf jeden Fall kommt noch der Vlog von Athen demnächst!

Ich bin auf jeden Fall gerade komplett glücklich, aber freue mich auch wieder weiter zu reisen

Tag 78 – 19.09.2016 – Athen das weiße Rom Mexikos

Heute geht’s für mich dann endlich nach Athen rein. Also Kamera und was zu trinken geschnappt und auf in die Stadt. Moment mal… Wie komme ich eigentlich von Rafina, wo der Campingplatz ist nach Athen? Die Antwort gibt mir der Rezeptionist: Bus von Rafina Zentrum. Danke! Bleibt nur noch die Frage, wo Rafina Zentrum ist und wo ich in Athen aussteigen muss ist ja kein kleines Dorf mit nur einer Bushaltestelle… Das alles ergibt sich dann bis ich nach acht Mal irgendwelche Passanten, Busfahrer, Apothekenangestellte oder Ticketverkäufer fragen endlich in einem der vielen Sightseeing Busse sitze. Ich hätte mich ja vorher auch mal ein bissle informieren können, wo so ein Bus losgeht oder mit welchem Bus ich wann wo fahren muss, aber nein. Ich habe es so geschafft. Ohne Vorkenntnisse. Irgendwie…

Athen ist eine sehr gedrängte Stadt. Häuser dicht an dicht und überall Autos, Busse und Roller. Gaaanz viele Roller. 2016-09-19-athen1Zwischen diesem Gewusel liegen die antiken Schätze der griechischen Kultur, wie Inseln umgeben vom Großstadttreiben. Die riesigen, übriggebliebenen Säulenteile nicht weit vom Zentrum entfernt finde ich sehr beeindruckend. Ich kann nur erahnen wie groß das ganze Gebäude mal gewesen sein muss. 2016-09-19-athen2Weiter geht es mich zur wohl bekanntesten Sehenswürdigkeit in Athen: Der Akropolis. Dort sind nicht nur Säulenteile erhalten geblieben, sondern fast komplette Gebäude. Ich bewundere lange die Baufertigkeiten der Griechen und staune immer wieder, wenn ich daran denke, dass die das alles ohne Baumaschinen gemaut haben. 2016-09-19-athen3So wie das Kolosseum auch. Kolosseum. Rom. Daran erinnert mich Athen also schon die ganze Zeit. An Rom. Wegen dem wuseligen Verkehr mit den vielen Rollern, die kreuz und quer fahren und den antiken gigantischen Bauwerken. Außerdem ist es hier genauso heiß. Wenn nicht noch heißer. Zum Glück habe ich mir genug Wasser mitgenommen für den ganzen Tag. Von der Akropolis habe ich auch eine wundervolle Aussicht über ganz Athen. Bis hin ans Meer. Beeindruckend.2016-09-19-athen5

Dabei fällt mir auch auf, dass die Häuser hauptsächlich weiß sind. Eigentlich sind alle weiß… Athen das weiße Rom. 2016-09-19-athen4

Leider fängt es dann an zu regnen und ich gehe zurück zum Sightseeing Bus. Die Runde mit allen sehenswerten Gebäuden inklusive alte, Stadion, Universität und Rathaus mache ich trotzdem noch fertig. Aber nicht mehr oben auf dem Doppeldeckerbus, weil es dort gerade nass regnet. 2016-09-19-athen6

An meiner Haltestelle wieder angekommen, an der ich eingestiegen bin steige ich aus und kaufe mir was zu essen. Cheese Pie. Aber kein Käsekuchen was man im Deutschen darunter versteht, sondern so ein leckeres Gebäck aus Blätterteig, was mit allem möglichen und Käse gefüllt ist. Meine zwei sind mit einmal nur Käse und einmal Käse und Spinat. Die Dinger sind einfach so lecker! Und satt machen die auch gut mit dem vielen Käse. Dann kaufe ich mir noch einen Kühlschrankmagneten, wie ich aus jedem Land habe, in dessen Hauptstadt ich war und trete den Rückweg an. An der Bushaltestelle zurück nach Rafina werde ich von Matt angesprochen, ob das hier die Haltestelle nach Rafina sei. Ich antworte, dass ich das annehme, aber auch nicht sicher weiß, weil ich auch nur ein Tourist bin. So kommen wir also ins Gespräch und ich erfahre dann im Laufe der Busfahrt (wir müssen an derselben Haltestelle raus), dass er Mathew Cocking heißt und aus Kalifornien kommt, wo er als Förster arbeitet. Wir sprechen über Vieles, aber hauptsächlich über das Reisen. Für Matt ist Athen nicht Rom sondern eher Mexiko. Wegen den halbfertigen Gebäuden und verlassenen Häusern in den Außenbezirken von Athen. Also Fazit des Tages: Athen ist das weiße Rom Mexikos. Wir reden fast die gesamte einstündige Busfahrt und er zeigt mir Bilder von seiner Heimat, Hawaii und Mexiko. Ich glaube ich habe ein paar neue Reiseziele, die ich auf meiner „Noch zu bereisen“ – Liste in meinem Kopf hinzufügen will. Matt spricht sogar Deutsch, weil er als er 16 war für neun Monate in Deutschland gelebt hat. Wir kommen dann auch bald schon in Rafina an, wo er die Fähre auf eine der vorgelagerten Inseln nehmen wird und ich zurück zum Campingplatz laufe. 2016-09-19-matt-und-ich-im-bus

Ein Deutscher und ein Kalifornier, die in Athen im Bus über dies und das quatschen. Was für eine verrückte, aber geniale Welt!

Tag 77 – 18.09.2016 – Uuund schon wieder habe ich es getan…

Kurz nach dem Aufstehen laufe ich zu dem Supermarkt, den ich gestern noch gesehen habe ein paar Straßen weiter. Kaum stehe ich vor verschlossenen Türen fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Es ist Sonntag! Zumindest sehe ich noch einen großen Traktoranhänger voll mit Baumwolle, was man ja auch nicht jeden Tag sieht. Es war auf jeden Fall ein schöner kleiner Spaziergang, trotz meines Scheiterns. Auf der Fahrt nach Rafina, von wo aus ich mit dem Bus nach Athen rein fahren möchte sehe ich noch drei große Supermärkte… Das kann doch nicht sein! Ich suche seit Tagen einen Supermarkt und wenn ich nicht einen – nein- DREI finde ist Sonntag…

Naja aber das war nicht meine größte Dummheit heute… Ich habe es nämlich schon wieder getan. Was? Die kleinste, holprigste, engste Schotterpiste treffsicher gefunden… Zwischendurch muss ich sogar durch einen Fluss! Na gut es war ein Bächle, der über die Piste lief… Okay ein Rinnsal… Egal auf jeden Fall habe ich auf solchen Wegen immer nur zwei Sorgen: 1. Dass ich nicht weiter komme und zurück beziehungsweise irgendwie wenden muss und 2. Dass mir jemand entgegenkommt. Beides ist zum Glück wieder mal nicht der Fall. Trotzdem ist es eine sehr steile und holprige Piste gewesen und ich atme erstmal wieder auf, als ich mich wieder auf einer breiten, asphaltierten Straße befinde.

Dann am Campingplatz angekommen nach dem „einchecken“, etwas essen, den Strand (Bild) anschauen und nach dem Passwort für das WLAN fragen, was leider nur am Restaurant ist, ist es schon halb vier und ich entschließe mich nicht, wie ursprünglich der Plan war heute noch nach Athen rein zu fahren. Alleine die Busfahrt dauert nämlich eine Stunde… Griechenlands Hauptstadt knöpfe ich mir morgen vor! 2016-09-18-bucht-rafina

Inzwischen ist es dunkel draußen und irgendwelche Hunde bellen irgendwo. Dazu noch das Starten und Landen der ganzen Flugzeuge, die man in der Ferne blinken sieht. Das ist der Flughafen von Athen. Athen. Ich komme irgendwie noch nicht so ganz auf den Gedanken klar, dass ich alleine (Ja gut mit Begleitung hier und da) bis nach Athen gefahren bin. Und das nicht über Italien und mit einer Fähre geschummelt, nein. Über den Landweg. Dem langen Landweg. Aber ich sehe diesen Weg nicht als Anreise. Nein er ist viel mehr als das. Anreise ist eh ein komisches Wort. Wenn man reist, dann ist man doch unterwegs, um vieles zu entdecken. Und nicht, um wo anzukommen. Ich sage ja auch nicht: „Ich reise jetzt nach Hamburg“, wenn ich einfach auf der Autobahn an einem Stück durch fahre, oder? Was ich sagen will ist, dass ich es mir nie hätte erträumen können, dass ich es schaffe, so weit zu kommen. Alleine. Ja gut ich hatte meine Familie immer zumindest via WhatsApp dabei und euch auch, über den Blog. Aber im Auto saß immer nur ich. Ja, meine Beifahrer mussten immer stehen.

Eines haben mich die 77 Tage jetzt auf jeden Fall schon gelehrt: Willst du nach Athen? Dann setzt dich ins Auto und fahre heute noch los. Muss nicht weit sein, aber heute muss es sein. Denn wenn du nicht anfängst, wirst du dein Ziel nie erreichen. Sei es beim Zimmer aufräumen oder auf dieser Reise. Aber hey. Mein Zimmer ist aufgeräumt und ich steh nicht weit von Athen. Erfolgreich angefangen würde ich sagen.

Tag 76 – 17.09.2016 – Delphi

Noch einen Tag besticht mich das Meer nicht! Deshalb geht es heute für mich weiter zu den Ausgrabungen von Delphi. Kurz nach meinem Aufbruch finde ich mich auf der wahrscheinlich kleinsten, engsten und holprigsten Schotterstraße in der ganzen Umgebung wieder. Wieso finde ich immer solche Straßen?! Es gäbe auch eine gut asphaltierte Alternative zu meinem Weg, wie ich später dann sehe, aber schlussendlich habe ich es trotzdem auf die Schnellstraße geschafft. Schon auf dem Parkplatz wird mir eine Sache bewusst: Die Ausgrabungen werden nicht nur wegen den Ausgrabungen interessant werden. Eintritt 12€ Ermäßigte 6€. Ich zahle aber nichts, weil Schüler frei sind. Schon praktisch, wenn man erst frisch aus der Schule kommt und noch einen Schülerausweis hat, mit dem man überall rein kommt.

So bahne ich mir dann meinen Weg durch die vielen Touristen, entlang der Ausgrabungen einiger Grundmauern von Gebäuden den Berg hoch. Dort erwartet mich dann das richtige Highlight: Vier imposante, noch fast komplett erhaltene, riesige Säulen, die auf einem Fundament stehen, was geschätzt 7×40 Meter groß ist. Direkt daneben finde ich dann auch noch das Theater mit den vielen Steinstufen. Im Hintergrund dann noch die grandiose Aussicht auf die umliegenden Berge… Ein echt beeindruckendes Bild.

Noch weiter oben befindet sich das Stadion mit einer noch sehr gut erhaltenen Tribüne, die viele viele Meter lang ist. Hier irgendwo muss sich auch das Orakel von Delphi befunden haben. Wo genau weiß man heutzutage nicht mehr so richtig. An dem Orakel war den Sagen nach auch Ödipus, als er die unheilvolle Vorhersehung bekommen hat, er würde seinen Vater töten und seine Mutter heiraten. Woher ich sowas weiß? Die Lektüre haben *hust* mussten *hust* wir im Deutschunterricht gelesen.

Anschließend geht es für mich ein paar Kilometer weiter durch die Berge in ein Dorf, in dem ich den Stellplatz, an den ich eigentlich wollte nicht so toll finde… Ich wollte dann woanders hin fahren und habe schon nach einem anderen Platz geschaut, aber nicht wirklich was gefunden auf die Schnelle. Dazu kam noch, dass ich den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte… Also habe ich ein paar Leute gefragt, wo ich hier stehen könnte über Nacht, die mir nett Auskunft gegeben und sogar noch ein Bier angeboten haben. Hier, neben einem Baumwollfeld, koche ich das erste Mal Reis, was auch klappt, wenn man mal davon absieht, dass die halbe Küche voll mit Reis ist, weil ich die Verpackung nicht richtig geöffnet habe… Ich mag solche Verpackungen nicht…

Mittlerweile ist es dunkel, aber immer noch heiß… Morgen geht es für mich dann weiter nach Athen! Das wird bestimmt wieder ein Abenteuer.

Tag 75 – 16.09.2016 – Planänderung

Ich wache auf und möchte weiterfahren. Vorher gehe ich aber natürlich nochmal schwimmen, wie es sich am Meer eben so gehört. Dann wird mir eins klar: das ruhige Meer, der blaue Himmel, der wirklich überhaupt keine Wolke aufweist, und der fast menschenleere Strand zwingen mich noch einen Tag hier zu verbringen. Also heißt es heute für mich: Strandtag. Aber ich war nicht ganz auf der faulen Haut gelegen heute und habe noch mein Video fertig geschnitten.

Danach möchte ich ein Video rendern, was einfach aus allen meinen Vlogs hintereinander besteht, falls ich mir mal wieder alle anschauen möchte. Und weil alle Vlogs, bis ich wieder zurück bin zu lang sein würden mache ich das jetzt schon mal. Also schnell alle 21 Videos in mein Schnittprogramm geklatscht und hups. Über drei Stunden habe ich schon an Videomaterial produziert… Das ist echt ne Menge. Und wenn ich da mal so durch schaue… Ich habe echt schon viel erlebt und echt viele coole Sachen gemacht. Alleine und mit meiner Familie, Freunde oder meiner Freundin. Diese Erlebnisse kann mir keiner mehr nehmen, egal was die Zukunft bringen mag. Aber die Zukunft wird auch noch sehr viele schöne Erlebnisse für mich bereithalten. Da bin ich mir sicher.

Morgen geht’s dann auf jeden Fall weiter nach Delphi!

Tag 74 – 15.09.2016 – Meer

Mein Tag fängt an mit einem Aufräumen, Wasser holen, bei dem mich ein kleines, süßes, weißes Fellknäul begleitet bis ich dann schließlich aufbreche von dem See, an dem ich jetzt zwei Nächte verbracht habe. Ich fahre wieder ans Meer. Jedes Mal. Jedes Mal ist es dasselbe… Ich kann immer noch nicht fassen wie blau und wunderschön die Strände in Griechenland fast alle sind. Natürlich gehe ich auch baden und erlebe die nächste Verblüffung: Das Wasser ist viel wärmer, als ich es in Erinnerung hatte. Ist das so, weil ich jetzt so südlich bin, dass ich schon die Peloponnes sehen kann? Ich weiß es nicht, aber es ist auf jeden Fall echt angenehm warm und extrem klar das Wasser. Hier verbringe ich dann meinen restlichen Tag mit viel Zeit, in der ich einfach nur genieße. Mein Stellplatz ist nicht ideal, weil er direkt an der Straße ist, aber gegen Abend hin hat sich der Verkehr beruhigt und es kommt nur noch alle Stunde eine Auto, wenn überhaupt eins kommt. Dafür sind hier wieder Berge direkt am Strand. Gibt es nirgends in Griechenland einen Strand, von dem man keine Berge sehen kann? Ich glaube kaum… Aber das macht das Land ja auch irgendwie aus und ist echt interessant. 2016-09-15-naevle

In den nächsten Tagen möchte ich nach Athen fahren und mir die Hauptstadt näher anschauen. Davor möchte ich auf jeden Fall noch den Kanal von Korinth sehen und vielleicht das Orakel von Delphi. Das werden sicherlich wieder echt interessante Tage.

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Tag 73 – 14.09.2016 – Gedanken…

Unterschiedlich sind sie. Eigen sind sie. Jeder auf seine Weise besonders. Manche sind lang. Manche sind kurz. Aber trotzdem enden sie alle nach derselben Zeit. Einige sind toll. Andere wiederum scheiße. Und trotzdem kommen sie immer wieder. Wovon ich rede? Tage.
Tage können so verschieden sein. Das habe ich auf meiner Reise auf extremste Weise gelernt. Nehmen wir einen Tag aus Rumänien zum Beispiel, an dem ich morgens baden war in einem Bergsee, dann aufräumen, Wasser auffüllen, ein paar Stunden Auto fahren, eine Stadt besichtigen, wieder ein paar Stunden Auto fahren und sogar noch eine Passstraße halb hoch gefahren bin. Danach habe ich auch noch mein Video geschnitten und meinen täglichen Blogbeitrag gemacht. Das war ein Tag, an dem ich viel erlebt, viel gesehen, viel gemacht und viel geschafft habe. Heute aber war das komplette Gegenteil der Fall. Ich habe heute nichts gemacht und absolut nichts geschafft. Ich habe nicht gespült, bin nicht raus gegangen, habe mich nicht gewaschen. Einfach gar nichts. Mein Highlight war heute, dass ich für zwei Sekunden einen Eisvogel draußen am See gesehen habe. Es war einfach ein Tag, zum etwas entspannen und nichts tun. Das muss auch einfach mal sein.
Ein Tag. Ein Tag ist eine lange Zeit. Aber es ist genauso überhaupt keine Zeit… Jeder Tag wird das, was wir aus ihm machen. Ein Tag kann vieles verändern. Der Tag meiner Abreise zum Beispiel. Ohne ihn stünde ich jetzt nicht hier in Griechenland.
Manchmal habe ich das Gefühl der Machtlosigkeit und das Gefühl verloren zu sein in einer Welt, die sich ohne mich genauso schnell, genauso laut und genauso gut weiterdrehen würde. Aber ist nicht genau das das Tolle daran? Ich möchte eigentlich gar keine Macht haben. Ich möchte verloren sein auf dieser Welt. Mich muss nicht jeder kennen, damit ich glücklich werden kann. Eine Hand voll Leute, solange es die Richtigen sind reicht da vollkommen aus. Alles was ich zum glücklich sein brauche habe ich bereits. Mir geht es gut. Sehr gut. Nur deshalb habe ich ja auch nur die Möglichkeit so eine Reise zu unternehmen.
Ich glaube, dass ich erst jetzt, wo ich lange und weit weg bin von meiner Heimat und allen Personen, die ich kenne und die mich kennen, erst so richtig verstehen kann, was ich habe. Ich meine ganz alltägliche Sachen. Dinge, die ich eigentlich immer als selbstverständlich hingenommen habe. Alles aus meinem „früherem Leben“ bekommt eine andere Bedeutung. Ich meine damit… Ja ich weiß noch nicht, was ich damit genau meine und was das Alles für mich genau bedeutet. Aber ich weiß, dass ich in Zukunft viele Sachen mehr schätzen werde und andere, die ich früher als wichtig empfand, werde ich über Bord schmeißen. Einen veränderten Blickwinkel kann man das Ganze nennen.
Ich habe beschlossen, dass ich in Zukunft versuchen werde jedem Tag eine bestimmte Bedeutung zu verleihen. Durch die Sachen, die ich mache. Das muss nichts Großes sein, aber ich möchte keinen Tag haben, an dem ich selbst unzufrieden bin mit dem, was ich gemacht habe und damit mit mir selbst. Schlichtweg möchte ich keinen Tag vergeuden. Heute ist nicht so ein Tag. Ich habe entspannt und viel nachgedacht. Das ist also die Bedeutung von heute. Ich habe mich heute ein Stück weit selbst besser kennengelernt. Reisen ist also auch Selbstfindung. Und vielleicht reisen wir auch nur aus diesem Grund.
Unterschiedlich sind sie. Eigen sind sie. Jeder auf seine Weise besonders. Manche sind lang. Manche sind kurz. Aber trotzdem enden sie alle nach derselben Zeit. Einige sind toll. Andere wiederum scheiße. Und trotzdem kommen sie immer wieder. Wovon ich rede? Tage.

Tag 72 – 13.09.2016 – Programmpunkt: Bergstraßen

Heute heißt es für mich: Tschüss Winter und Hallo Sommer. Heißt: ich fahre wieder den Berg runter mit dem Ziel Trichonis See. Die Strecke dorthin ist auf den ganzen 80 Kilometer echt wunderschön… Ich fahre an Steilhängen entlang durch Täler, durch Bergdörfer, mit teils echt engen Straßen, Serpentinen rauf und runter, über Schlaglöcher und Schotterpisten bis ich am Parkplatz am See ankomme, den ich mir zum Übernachten ausgesucht habe. Der Platz gefällt mir nicht wirklich, weil er innerorts ist also ich lade nur schnell meine Beitragsbilder hoch und fahre weiter. Ein paar Kilometer außerhalb des übernächsten Dorfes fahre ich dann auf einen abgelegenen Platz hinter einer Kirche direkt am Seeufer. Hier gefällt es mir schon besser. Also bleibe ich hier. 2016-09-13-seeplatzDie Strecke, die ich heute gefahren bin war auf jeden Fall eine meiner Lieblingsstrecken auf der ganzen Reise. Wieso? Die Aussicht auf die Berge die ganze Zeit war grandios! Und es war auch vom Fahren her nicht langweilig auf den engen kurvigen Bergstrecken. 2016-09-13-bergdorf 2016-09-13-berge-2 2016-09-13-schluchtDie Fahrt war auch mein Programmpunkt für heute und so verbringe ich den restlichen Tag mit Schneiden, essen, duschen, Schafe beobachten, die ab und zu sogar an Nävle wackeln. Morgen weiß ich noch nicht, was ich mache. Entweder weiterfahren Richtung Kanal von Korinth oder nochmal einen Tag hier bleiben. Es ist echt idyllisch hier.

Tag 71 – 12.09.2016 – Wandern

Kalt. Das ist das Erste, was ich mir heute denke. 13 Grad sagt mein Thermometer… Drinnen. Aber ich möchte nicht jetzt schon die Heizung anmachen müssen…. Zusätzlich dazu regnet es auch noch und der Wind ist immer noch ziemlich stark. Kein Wunder also, dass ich bis halb eins im Bett bleibe. Dann hat der Regen aufgehört und ich stehe auf, esse etwas und möchte auf den Berg wandern, der jetzt sogar wolkenfrei geworden ist. Gerade als ich zwei Schritte von der Tür weggegangen bin werde ich von den Schäferhunden angebellt, die die Schafherde hüten, die gerade direkt bei mir ist… Ich weiß nicht, ob mir die Hunde gefährlich werden können, weshalb ich dann noch warte bis die Herde samt Hunden weiter gelaufen ist. Als es endlich so weit war, waren wieder Wolken überall und die Sicht wieder sehr beschränkt… Deshalb schneide dann ich mein „Mein Equipment“ – Video, was ich gestern aufgenommen habe. (Kommt morgen. Hier habe ich zu schlechtes Internet zum Hochladen). Dann endlich ist die Gelegenheit gekommen und ich ziehe los! Bald bin ich auch schon zum Ende von dem Sessellift gelaufen und ich muss sagen: wow. Das Panorama, was mir hier zu Füßen liegt ist einfach umwerfend! Auf der einen Seite ein noch größerer Berg, über den die ganze Zeit Wolken drüber „fließen“, auf der anderen Seite Berge bis an den Horizont und dazwischen ein wundervolles Tal mit Städten und grandiosen Steil- und Geröllhängen.2016-09-12-aussicht-berg 2016-09-12-aussicht-tal Das hätte ich jetzt so nicht erwartet. Aber klar, ich bin auf über 2000 Metern Höhe hier oben. Ich könnte sogar noch weiter hoch laufen, auf den Berg, der die ganze Zeit in den Wolken ist. Aber ich entschließe mich dagegen, weil man sicherlich überhaupt nichts gesehen hätte, wegen den Wolken. Schade. Ich wäre gerne noch weiter hoch gelaufen… Auf den Rückweg kommen die Wolken wieder und ich mache eine kleine Wanderung durchs Nichts. 2016-09-12-wandern-im-nichtsUnten angekommen erwartet mich wieder die Schafherde mitten auf dem Weg. Diesmal ist aber der Schäfer dabei, mit dem ich spreche, was aber schnell wieder sein Ende findet, weil beide uns gegenseitig nicht verstehen… Auf jeden Fall bringt er mich durch die Schafherde und pfeift ein paar Mal seinen Hund zurück, als er mich anbellt. Zurück an meinem Nävle bin ich echt froh, dass es noch 24 Grad hier drinnen hat. Der Wind bläst nämlich oben auf dem Berg noch viel mehr, als hier auf dem Parkplatz. Ich fühle mich echt, als wäre ich schnell mal auf Winterurlaub umgestiegen… Vielleicht mache ich doch mal die Heizung an… Es hat nämlich wieder nur noch 17 Grad und man kann zuschauen, wie diese zu kleine Zahl auf dem Display sinkt… Ich werds schon überleben. Aber ich hätte echt gerne meine Freundin jetzt bei mir… Das ist nämlich perfektes Kuschelwetter. Kalt.2016-09-12-sessellift