Tag 24 – 27.07.2016

Eigentlich bin ich noch sehr müde, aber wache trotzdem schon um halb neun auf und kann nicht mehr einschlafen vor Neugier, wie es draußen jetzt aussieht ohne Regen. Also schaue ich aus dem Fenster. Dem Dachfenster. Das, was ich dann dort sehe verschlägt mir fast den Atem… Man kann zwanzig Mal so weit gucken wie gestern Abend und man erkennt alle Details der Landschaft, die gestern von der Dämmerung verschluckt wurden. Bis ich das Ganze in mich aufgesogen habe dauert es ein paar kalte Minuten, die ich auf dem Dach sitzend im Schlafanzug verbringe. Dann heißt es aber wieder für mich Abschied nehmen und ran an das Videoschnittprogramm mit dem ich meine nächsten zwei Stunden verbringe, aber immer wieder aus dem Fenster schauen muss. Rosi geht in der Zwischenzeit wandern. Leider müssen wir dann auch unseren wunderschönen Stellplatz verlassen, aber haben ja noch die Passstraße vor uns. Die serpentinenreiche Straße ist in kaum spürbar besseren Zustand als die restlichen Landstraßen in Rumänien, weshalb wir öfter am Straßenrand anhalten, damit ich auch mal den Ausblick genießen darf. Rauf und runter geht’s fast komplett im zweiten Gang bis es wieder etwas ebener wird. Hügelig bleibt es allerdings bis zur Burg Poenari, von der aus der berühmt berüchtigte Graf Dracula regiert hat. Diese kleine Festung, die gerade mal Platz für 25-30 Soldaten bot war eine der wichtigsten Festungen ganz Rumäniens im 15. Jahrhundert. Nach der Bewältigung der Treppe mit 1480 Stufen nach oben (Das Empire State Building hat 1576), bei der der Deutsche TÜV bestimmt seine Freude hätte erreichen wir die Festung und werden begrüßt von zwei Leichen (natürlich Puppen), die vor der Festung auf zwei Holzpfählen aufgespießt wurden. Das steht auch überall auf den Schildern, dass Vlad II. (Graf Dracula) für seine Grausamkeit bekannt war und er wirklich Leichen von untreuen Gefolgsleuten und Feinden vor den Stadttoren oft auch monatelang auf gehangen hat… Außerdem ging das Gerücht um, dass er das Blut seiner Feinde manchmal getrunken haben soll und noch dazu kommt seine Vorliebe fürs Pfählen, die er während seiner Gefangenschaft in der Türkei entwickelte… Kein Wunder, dass darum dann so eine Mythenwelt gesponnen wurde… Burg Poenari

Von der Festung an sich sehen wir nur noch Mauern, die die Größe des Gebäudes nur erahnen lassen. Aber diese Festung ist nicht so von Touristen überlaufen, wie Schloss Bran, was ja als „Schloss Dracula“ verkauft wird, obwohl Vlad II Draculea nur ein paar Nächte wenn überhaupt dort verbracht hat. Was aber dann touristisch riesig aufgezogen wurde, obwohl er ja die meiste Zeit auf Burg Poenari (Da wo wir waren) verbracht hat. Dort hat er nicht nur geherrscht und gelebt, sondern war auch zeitweise dort im Gefängnis, weil seine politische Karriere und Beliebtheit irgendwie am besten mit einer Achterbahnfahrt zu vergleichen ist.

Auf dem Rückweg kaufen wir dann noch einen leckeren geräucherten Käse und so irgendwelche knackigen Ringe, die salzig schmecken und fahren dann weiter zum Campingplatz. Dabei machen wir dieselbe Beobachtung, die ich schon mit meinen Eltern gemacht habe, als ich mit ihnen in Rumänien war: Auf der Bank sitzen und den Straßenverkehr zu beobachten ist hier nicht nur ein weit verbreitetes Hobby und landesweit etabliert, sondern auch ein Spaß für die ganze Familie. Wir sehen Leute jeden Alters, ja sogar auch Jugendliche und Kinder, die einfach nur da sitzen und auf die Straße schauen…

Ich wollte heute mal wieder früher ins Bett, weil mich die letzten Tage echt fertig gemacht haben und wir immer spät im Bett waren, aber dann kam mein Video dazwischen, was ich fertig geschnitten habe, bevor ich diesen Beitrag hier schreibe… Bei uns ist es jetzt schon viertel nach eins… So viel zu früh… Man hat auf Reisen einfach zu viel zu tun um Ausschlafen oder früh ins Bett zu kommen.

Burg Poenari ich

Dieser Eintrag wurde in Rumänien veröffentlicht.

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