Tag 26 – 29.07.2016

Heute stehe ich nach einer kurzen Nacht ohne Frühstück auf, mach mich fertig und fahre los. Ich weiß leider immer noch nicht, wem ich einen Ziegelstein an den Kopf werfen darf für diese Straßenführungen, die mich kreuz und quer mit komischen Hinweisschildern und auf der Schnellstraße teilweise mit links abbiegen raus aus Bukarest bringen. Keine 30 Kilometer vom Stadtcamping entfernt finde ich einen Stellplatz am See, der zwar nah an der Landstraße, aber doch recht idyllisch gelegen ist. Hier versuche ich den restlichen Tag lang bei den viel zu hohen Plusgraden nicht zu verbrennen und genieße es einfach mal etwas „Freizeit“ zu haben von meinem „Job“, dem Reisen. Klar ist das kein Job wie man sich einen Job vorstellt, aber man hat, wenn man so wie Rosi und ich die letzten Tage jeden Tag was neues sehen und weiter fahren möchte, doch rund um die Uhr und immer viel zu viel zu tun, weil alles irgendwie interessant ist. Gefühlt wird man dann entweder nicht fertig mit allem, was man machen wollte oder man geht halt erst spät, aber glücklich ins Bett. Vor allem wenn man noch Blogbeiträge schreiben und Videos schneiden möchte, die relativ viel Zeit in Anspruch nehmen. Das alles macht mir unglaublich viel Spaß und ich finde es mega interessant alleine zu sehen, was man selbst schaffen kann und ich merke auch, wie ich mittlerweile schon mit Problemen anders umgehe als vor meiner Abfahrt. Am See ist noch ein Mann, der eine Ziegenherde hütet und das Geld nimmt, dafür dass ich hier übernachten darf. Er erzählt mir später dann noch was, aber ich weiß nicht was, weil ich kein Rumänisch und er nur die Sprache spricht…

Immer wenn ich Zeit für mich alleine habe, nutze ich diese meistens um Nachzudenken über Sachen, die mir manchmal tagelang nicht aus dem Kopf gehen… Zum Beispiel auch die schlichte Ungleichheit der Welt. Man muss nur einmal durch ein rumänisches und ein deutsches Dorf fahren und die ersten Eindrücke, die man selbst dort hat, auf einen Zettel nebeneinander schreiben und dann mal anschauen… Bei einem rumänischen Ort wären die ersten Eindrücke, die man als Tourist hat: „Links oder rechts durchs Schlagloch?“, „Kann ich den Eselkarren überholen, ohne dass mich der Transitverkehr in der Gegenrichtung, der Tag und Nacht durch kleine Dörfer braust mich, wie manche Straßenhunde, einfach überfährt?“, „Steht das Gebäude da drüben leer oder wohnt da noch jemand?“, „Ich würd ja jemand nach dem Weg fragen, aber die verstehen mich hier alle nicht.“ „Oh guck mal ein Oldtimer – oh ne der ist überall verrostet, der wird benutzt nicht geliebt.“ Und in Deutschland sind so die ersten Eindrücke dann: „Och man, manchmal habe ich hier kein LTE…“. Das bringt einen schon ins Grübeln. Auch dass hier die Arbeitszeit anscheinend gar nichts kostet. Als ich Rosi zum Flughafen gebracht habe und dann die Parkplatzgebühr von 3 Lei (ca 70 Cent) an einem bemannten Kassenhäuschen bezahlen musste um halb fünf morgens, da dachte ich mir, dass die Kassiererin ja nicht wirklich viel verdienen kann und dann halt auch mit dem Wenigen leben muss… So gibt es in Bukarest Tickets für den Nahverkehr auch nur an bemannten Kassenhäuschen und wenn man Baustellen auf der Fahrt sieht, merkt man auch, dass dort lieber mehr Mann als mehr Maschinen eingestellt werden. Zum Beispiel gab es bei der letzten Baustelle vor Bukarest zwei Leute, deren Aufgabe es war Ampel zu spielen und nach eigenem Ermessen so eine grün-rote Kelle umgedreht haben… Ich frag mich dann wovon die Leute leben, die hier an der Straße sitzen und selbst gemachten Sirup, Honig oder Obst verkaufen… Die möchte ich auf jeden Fall in Zukunft mehr unterstützen und soweit es geht meinen Einkauf an solchen Straßenständen erledigen und nicht in irgendwelchen Supermarktketten.

29-07-2016 See Bukarestnah

Dieser Eintrag wurde in Rumänien veröffentlicht.

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