Tag 69 – 10.09.2016 – Meteora Klöster

Der erste Blick aus dem Fenster: Nebel. Überall Nebel. Die schöne Aussicht von gestern ist einfach weg… Das bin ich dann auch bald. Also weg. Mein Ziel sind die Meteora Klöster, von denen meine Eltern so geschwärmt haben. Die Autobahn unterwegs soll laut Navi Maut kosten und deshalb will ich sie umfahren. Also runter und ab über tolle Bergstraßen. Leider endet meine Fahrt abrupt an einem Pferdehof oder Hotel so genau kann ich das nicht erkennen und die Straße, die auf meinem Navi weiter geht endet auf einem Parkplatz. Okay. Zurück. Dafür ist die Aussicht von hier einfach nur genial, weil ich mittlerweile auf über 1300 Metern Höhe bin… Hab ich gar nicht bemerkt. Eine alternative Umfahrungsstrecke sieht noch abenteuerlicher aus und ich beschließe wieder zurück auf die Autobahn zu fahren. Aber das ist nicht so leicht wie ich dachte… Mein Weg zur nächsten Auffahrt führt mich durch ein enges Bergdorf, über eine Straße, die vielleicht 40 Zentimeter breiter ist als mein Auto, optimistisch geschätzt. Und jetzt ratet mal, was für ein Auto mir an der engsten Stelle, mit heraus stehendem Hausdach, in der Kurve entgegen kommt. 2016-09-10-straesselchenIm Pickup Land Griechenland ist es ja eigentlich schon klar, dass es kein Punto ist. Aber es ist ein richtig fetter Isuzu Pickup. Wir beide halten an und sind beider maßen erstaunt. Dann rollt er (Ja es ging auch noch bergab) 5 Meter zurück, wo zum Glück eine Hofeinfahrt war und wir uns aneinander vorbei quetschen konnten, nachdem ich meinen linken Außenspiegel ran geklappt habe. Uff. Den restlichen Teil des ganz engen Stückes fahre ich zum Glück ohne Gegenverkehr. Bald bin ich wieder auf der Autobahn und atme erstmal wieder durch. Dieser kleine Abstecher hat mich außer Sprit für 15 Kilometer, eine halbe Stunde an Zeit und ein paar Nerven nichts gekostet und ich habe wieder was gelernt. Meine „Lesson of the day“ ist also: Niemals die Autobahn umfahren wollen in den Bergen!

Die Klöster von Meteora sind auf Felsen gebaut worden, die fast senkrecht in die Höhe ragen und das Klöster an sich sind auch echt beeindruckend. Wenn man sich vorstellt, wie die hier alles gebaut haben ohne Maschinen, ohne Platz zu haben.2016-09-10-meteora-1 Der größte der Felsen hat eine Höhendifferenz vom Fuß bis Kloster von etwas über 370 Metern. Die Stufen, die alle Touristen hinauf zum Kloster nehmen wurden erst 1921 gebaut. Vorher hieß es Strickleiter oder „Fahrstuhl“. Das war nämlich das einzige, was die Mönche hatten. Eine Seilwindenkonstruktion mit einem Haken, den sie per Muskelkraft hoch und runter kurbeln konnten. Im inneren der Kirche, die der Mittelpunkt des Klosters war, findet man überall an den Wänden Gemälde und das wirklich auf jedem Quadratzentimeter. Dazu die kleinen Fenster, die nur ein schummriges Licht erzeugen und die protzigen Kronleuchter. Echt mystische Stimmung hier drin. Die Aussicht von dem Kloster auf die umliegenden Berge und die Ebene dazwischen ist auch einfach nur grandios! 2016-09-10-meteora-2Jetzt weiß ich, wieso meine Eltern mir die Klöster empfohlen haben. Danach geht es für mich weiter in Richtung Peloponnes und Athen. Natürlich nicht die ganze Strecke, was dann für mich heißt, dass ich etwas südlich von Volos am Meer stehe.

Für mich ist es toll, dass ich wieder meinen eigenen Reiserhythmus leben kann. Es ist einfach mehr Freiheit. Ich habe eh hier unterwegs die komplette Freiheit über das was ich tue und nicht tue. Ich bin schuld wenns scheiße ist. Dafür bin ich aber auch dafür verantwortlich wenn ich einen echt schönen Tag verbracht habe. Ich bin gerade außerdem dabei mir selbst sehr viele Fragen zu stellen. Einfach eine gewisse Selbstfindungsphase, wenn man so will. Wo ist mein Platz in der Welt und was möchte ich überhaupt im Leben?

Vielleicht ist die wichtigste Erfahrung, die ich mit nach Hause bringen werde, wenn ich wieder Zuhause bin, die Erfahrung meiner Persönlichkeit. Zu wissen, was ich will und wo ich stehe. Das sind schwierige Fragen und Fragen, die mir keiner beantworten kann, außer ich selbst. Vielleicht gestaltet sich meine Reise ja auch zu einer Reise zu mir selbst und nur nebenbei noch in diese vielen wundervollen Länder. Durch den Abstand zu meinem alten Alltag und meinem „alten Ich“, was einfach Sachen gemacht hat, weil ich es immer schon so gemacht habe, fange ich jetzt an auch früher Dinge, die ich für selbstverständlich hielt zu hinterfragen.

„Eine Entdeckungsreise besteht nicht darin, nach neuen Landschaften zu suchen, sondern neue Augen zu bekommen.“ – Marcel Proust

2016-09-10-meer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.