Tag 73 – 14.09.2016 – Gedanken…

Unterschiedlich sind sie. Eigen sind sie. Jeder auf seine Weise besonders. Manche sind lang. Manche sind kurz. Aber trotzdem enden sie alle nach derselben Zeit. Einige sind toll. Andere wiederum scheiße. Und trotzdem kommen sie immer wieder. Wovon ich rede? Tage.
Tage können so verschieden sein. Das habe ich auf meiner Reise auf extremste Weise gelernt. Nehmen wir einen Tag aus Rumänien zum Beispiel, an dem ich morgens baden war in einem Bergsee, dann aufräumen, Wasser auffüllen, ein paar Stunden Auto fahren, eine Stadt besichtigen, wieder ein paar Stunden Auto fahren und sogar noch eine Passstraße halb hoch gefahren bin. Danach habe ich auch noch mein Video geschnitten und meinen täglichen Blogbeitrag gemacht. Das war ein Tag, an dem ich viel erlebt, viel gesehen, viel gemacht und viel geschafft habe. Heute aber war das komplette Gegenteil der Fall. Ich habe heute nichts gemacht und absolut nichts geschafft. Ich habe nicht gespült, bin nicht raus gegangen, habe mich nicht gewaschen. Einfach gar nichts. Mein Highlight war heute, dass ich für zwei Sekunden einen Eisvogel draußen am See gesehen habe. Es war einfach ein Tag, zum etwas entspannen und nichts tun. Das muss auch einfach mal sein.
Ein Tag. Ein Tag ist eine lange Zeit. Aber es ist genauso überhaupt keine Zeit… Jeder Tag wird das, was wir aus ihm machen. Ein Tag kann vieles verändern. Der Tag meiner Abreise zum Beispiel. Ohne ihn stünde ich jetzt nicht hier in Griechenland.
Manchmal habe ich das Gefühl der Machtlosigkeit und das Gefühl verloren zu sein in einer Welt, die sich ohne mich genauso schnell, genauso laut und genauso gut weiterdrehen würde. Aber ist nicht genau das das Tolle daran? Ich möchte eigentlich gar keine Macht haben. Ich möchte verloren sein auf dieser Welt. Mich muss nicht jeder kennen, damit ich glücklich werden kann. Eine Hand voll Leute, solange es die Richtigen sind reicht da vollkommen aus. Alles was ich zum glücklich sein brauche habe ich bereits. Mir geht es gut. Sehr gut. Nur deshalb habe ich ja auch nur die Möglichkeit so eine Reise zu unternehmen.
Ich glaube, dass ich erst jetzt, wo ich lange und weit weg bin von meiner Heimat und allen Personen, die ich kenne und die mich kennen, erst so richtig verstehen kann, was ich habe. Ich meine ganz alltägliche Sachen. Dinge, die ich eigentlich immer als selbstverständlich hingenommen habe. Alles aus meinem „früherem Leben“ bekommt eine andere Bedeutung. Ich meine damit… Ja ich weiß noch nicht, was ich damit genau meine und was das Alles für mich genau bedeutet. Aber ich weiß, dass ich in Zukunft viele Sachen mehr schätzen werde und andere, die ich früher als wichtig empfand, werde ich über Bord schmeißen. Einen veränderten Blickwinkel kann man das Ganze nennen.
Ich habe beschlossen, dass ich in Zukunft versuchen werde jedem Tag eine bestimmte Bedeutung zu verleihen. Durch die Sachen, die ich mache. Das muss nichts Großes sein, aber ich möchte keinen Tag haben, an dem ich selbst unzufrieden bin mit dem, was ich gemacht habe und damit mit mir selbst. Schlichtweg möchte ich keinen Tag vergeuden. Heute ist nicht so ein Tag. Ich habe entspannt und viel nachgedacht. Das ist also die Bedeutung von heute. Ich habe mich heute ein Stück weit selbst besser kennengelernt. Reisen ist also auch Selbstfindung. Und vielleicht reisen wir auch nur aus diesem Grund.
Unterschiedlich sind sie. Eigen sind sie. Jeder auf seine Weise besonders. Manche sind lang. Manche sind kurz. Aber trotzdem enden sie alle nach derselben Zeit. Einige sind toll. Andere wiederum scheiße. Und trotzdem kommen sie immer wieder. Wovon ich rede? Tage.

1 Kommentar auf “Tag 73 – 14.09.2016 – Gedanken…

  1. Willi sagt:

    toll geschrieben! ich denke, mit dieser „zufriedenen Grundhaltung“ kannst du ein gutes Leben führen (es gibt ja Menschen, die sind mit nix zufrieden, die haben immer Ärger. Besser ist es, alles zu nehmen: die guten Dinge mit Dankbarkeit, die Schlechten mit dem Anspruch, draus was zu lernen). Und mich fasziniert auch immer eines: jeder Mensch bekommt jeden Tag 24h geschenkt (egal wo er herkommt, ob arm oder reich), aber du kannst nichts davon auf die Seite legen. Am Ende des Tages sind die Stunden futsch, ob du was draus gemacht hast oder ob nicht…Auch die übliche Ausrede: „hab keine Zeit“ ist Blödsinn: jeder hat immer Zeit. Alles eine Frage der Priorität, wofür ich meine Zeit nutzen möchte.
    Weiter so!

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